Es wird Zeit dieses Langzeit-Projekt zum Ende zu führen. Der letzte Schritt werden Fassade und Fenster sein. Eine Bestandsaufnahme:

Back to the roots. Etwa 1910:

 

 

 

© SLUB / Deutsche Fotothek / Starke, Werner 1991 – Strassenansicht mit Vorgarten

Heute mal ein Bild aus der Deutschen Fotothek. Das Bild ist datiert mit 1991 und wurde von Werner Starke fotografiert von dem man noch viele andere Bilder in der Fotothek findet. Auch aus der direkten Umgebung um dieses Haus herum gibt es reichlich Bilder.

Ich mag ja die Bezeichnung “privater Profanbau” sehr.

 

… übernahmen wir Haus und Hof von des Gärtners Mutter und konnten eigentlich erst dieses Jahr mit dem Einbau der Haustüre einen Schlussstrich unter die Sanierung ziehen. Natürlich gab es zwischendurch Hänger, wer schon mal ein altes Haus auf Vordermann gebracht hat weiss wovon ich rede. Das im Verlauf  den 15 Jahren bereits die dritte Heizung installiert wurde, das gehört zu den unschöneren Erinnerungen über die sich aber dann langsam der Schleier des Vergessens neigt.

Spätestens dieses Jahr zeigt dann deutlich wie gut die Entscheidung für das Haus dann im Endeffekt war: Platz und Auslauf machen dann doch viele Einschränkungen erträglicher. Aber ich hätte mir sehr gewünscht das des Gärtners Großmutter noch viel länger gelebt hätte, sie hätte sich sehr über den Garten gefreut.

Unabhängig von Aufwand, Kosten und Dauer der Sanierung des Hauses: es ist schon gut wenn man zu Beginn nicht alles im Detail kennt – ich für meinen Teil hätte mich nie mit vollem Bewusstsein auf diesen Marathon eingelassen. Aber so ist es ok, ich bin bereit für neue Schandtaten – der Gärtner natürlich nicht. Alles andere wäre ja auch langweilig 😉

Wenn es interessiert kann sich hier durch die Vergangenheit klicken.

Beim stöbern in alten Unterlagen vom Haus habe ich das obige Schreiben an die Großmutter des Gärtners gefunden. Ich finde sowas immer interessant bis spannend – sowas gab es in meiner westdeutsch geprägten Sozialisierung einfach nicht.

Das Haus war vor unserer Übernahme in vier Wohnungen aufgeteilt. Zu DDR-Zeiten wurden diese Wohnungen von der Kommune belegt, der Eigentümer hatte wenig bis gar keine Möglichkeiten darauf Einfluß zu nehmen wen er da ins Haus bekommt. Das führte zu der kuriosen Sitauation das zwar die Eigentümer eine Wohnung im Haus hatten, deren Kinder oder Enkel hatten da aber keine Chance oder gar das Recht eine Wohnung im Haus zu bekommen.

Die Wohnungsmieten waren billig (ich muss noch herausfinden wie billig), der Vermieter zahlte den Wasserverbrauch aller alleine und trug fast alle anderen Kosten. Wasseruhren z.B. kamen erst nach der Wende ins Spiel, der Wasserverbrauch sank danach drastisch.

Es gab durchaus private Handwerker in der DDR, diese mussten aber ihre Leistung zuerst der Stadt anbieten. Diese vergab dann kommunale Aufträge und wenn dann ggf. noch etwas Luft war kamen die privaten Eigentümer dran. Was aber zugleich nicht bedeutete das dann auch das benötigte Bau-Material vorhanden war. Unter diesem Gesichtspunkt sieht manche Materialentscheidung oder auch Ausführungsweise nachträglich doch ganz anders aus…

 

Der Gärtner übernahm 2005 das Haus von der vorherigen Generation. Diese und die Generation davor haben in einem Kraftakt die Fassade renoviert und in diesem Zuge u.a.  eine neue Haustür eingesetzt. Das war zur Jahrtausendwende und sah im Ergebnis so aus:

2000

2008 entschlossen wir uns, dass Außengelände neu zu strukturieren und organisieren und wollten auch die Eingangssituation verbessern.

Herbst 2008

Durch die Verbreiterung der Stufen war die Seitenwand hinfällig und das Vordach hing losgelöst in der Luft und gehörte nirgendwo so richtig dazu. Also haben wir das Vordach ebenfalls entfernt. So sah das dann für einen Weile aus (natürlich ohne Sand, der stammt von einer Reparaturarbeit).

Herbst 2008 – Herbst 2019

Das fehlende Vordach und eine in die Jahre gekommene Dachentwässerung setzten der Einfassung der Haustür zu, der Rest sah auch lieblos aus, die Farbe blättert usw… Zudem schloss die Alu-Haustüre nicht mehr richtig dicht, bei den ganzen Bauarbeiten im Haus hat sich irgendwie der Rahmen verzogen. Es zog wie Hechtsuppe und der Straßenlärm war auch im Haus zu hören.

Wir schauten immer schon mal auf Baumessen und im Internet was es denn so gab. So richtig gefallen wollte uns nichts. Zumindest war bald klar das wir mit dem üblichen Zeugs nichts anfangen konnten, diese heute angesagten glatten Fronten und Materialien passen nicht zu einem Haus von 1889 – und sind nicht unser Geschmack.

Mit der Zeit hatten wir also sehr viele Türen und Formen kennengelernt und nichts blieb im Gedächtnis. Der Zufall verschaffte uns einen Blick auf diese Originaltür aus der direkten Nachbarschaft. Viele Häuser sind zur gleichen Zeit wie das Unsere entstanden, einige noch weitestgehend unsaniert. Es ist also anzunehmen das wir hier nah am Original sind.

Ausbauen is nich. Hm. Ich machte mich auf die Suche nach einem Tischler, in der Annahme das müsste doch ein gefundenes Fressen für das Handwerk sein. Nichts da. 9 von 10 bauen nur Türen ein die sie über den Großhandel beziehen. Katalogware. Und der 1. von 10 wollte einen fertigen Plan nachdem er die Türe bauen könnte. Meh.

Die Jahre vergingen und es fügte sich zusammen das ich Zugriff auf einen anständigen Planer hatte der meine Vorstellungen in Zeichnungen umsetzte:

Anhand der Planung entstand ein Leistungsverzeichnis und es begann die Suche nach einem Tischler der sich durch eine weitere Fügung auch fand. Ich beauftragte diesen Tischler bei einem anderen Umbauprojekt mit dem Neubau einer denkmalgeschützten Tür in einem ebensolchem Gebäude und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Es ging dann viel Zeit ins Land bis die Planung final stand und wir ein Angebot in den Händen hielten.

In der Zwischenzeit machten wir Nägel mit Köpfen und ließen die Sandstein-Einfassung der alten Haustüre freilegen, reinigen und sanieren.

Dadurch sah die alte Haustüre noch mehr wie ein Fremdkörper aus:

Ich setzte mich beim Gärtner durch und ließ eine neue Treppe bauen die deutlich größer wurde und auch ein Fundament für eine anständige Überdachung bilden wird.

Der Bau der Haustüre wurde beauftragt, wir sichteten dutzende Häuser um die richtige Farbe zu finden und schwankten bis zum Ende zwischen Schilfgrün und einem dunkleren Rotton. In Anbetracht der zukünftigen Hausfarbe wurde es dann Schilfgrün. Es hieß nun warten und warten und warten und … dann war der Einbautag da:

Der erste Anblick, ich war hin und weg:

Und die Details…

… und da auch…

… die Drückergarnitur passt auch…

… und bei den Kassetten die Rundungen …

… und von Innen. Wie in einem anderem Haus.

Doch, doch!

Innen werden die Verzierungen immer dezenter gehalten. Aber auch hier ist die angedachte Optik einer zweiflügeligen Tür beibehalten worden.

Hach.

Über die Kosten senken wir einen dreifachen Mantel des Schweigens, das ist ein Einzelstück und es passt wie die Faust aufs Auge. Die Sockel der Hauswände werden auch noch saniert und irgendwann ist dann mal die Fassade dran. Der krönende Abschluss der Eingangsecke befindet sich gerade in der Planung und wird dem Haus – hoffentlich – ein schönes Entree verschaffen.

Soviel Gedöns wegen einer Haustür? Ja! Wenn man annähernd 15 Jahre mit einem Gedanken schwanger ist und sich langsam an die Realisierung heranrobbt, dann hat das für uns einen anderen Stellenwert als wenn man sich eine Haustür aus dem Baumarkt aussucht.

Farbton außen: RAL 6013 – Schilfgrün

 

Nachtrag, 23. Mai 2021

Die Tür ist nach wie vor schick. Ein kleines Detail hat sich allerdings nachträglich noch verändert:

Evva führt diverse Schließzylinder in verschiedenen Farben.