Wer sich hier schon mal ein wenig umgeschaut hat, wird festgestellt haben das wir nun im 17. Jahr am Haus werkeln. Geplant war so ein Langstreckenlauf nie – aber das Leben passiert halt. Manche Räume haben im Laufe der Zeit schon unterschiedliche Nutzen gehabt, große Pläne wurden reduziert, kleine Pläne wuchsen mit der Zeit zu beachtlichen Projekten an. Wie das eben in einem bewohnten Haus abläuft – man saniert um das Leben herum.

Vom ersten Tag an war uns klar das wir irgendwann die Fenster und auch die Fassade angehen müssen/wollen. Einmal weil halt alles auch in die Jahre kommt, einiges wurde in der Nachwendezeit von den Firmen hingepfuscht und irgendwo möchte man auch seine eigene Vorstellungen verwirklicht sehen. Als Übung und zum warmwerden mit dem Thema haben erstmal die Haustüre erneuert. Uns war immer klar das wir optisch zurück zum Ursprung wollen – die meisten Fassadensanierungen im Umfeld gefallen uns nicht. Entweder versteckt sich das Haus hinter dicker Dämmung oder die Knallfarben sind durch den Regen bzw. die Sonne unansehnlich geworden. Welche Farbe überhaupt, und die Fenster: Holz oder Aluminium?

Tatsächlich sind unsere größte Herausforderungen nicht die explodierenden Kosten bei Handwerkern und Materialien – da muss man halt Kompromisse eingehen. Den Anspruch an die Gestaltung begleitet – nicht erst seit kurzem – auch die Erkenntnis das wir nicht Vollzeit arbeiten gehen können und Gewerke und fachgerechten Einbau organisieren können. Jetzt sollte man ja meinen es gibt genug Architekten da draussen; ja – aber die interessieren sich nicht für solch “kleine” Aufträge – egal wie groß der Eigentümer das selbst sehen mag. Die Abrechnung per HOAI macht es da nicht gerade einfach – aber das sollte ja nicht hinderlich sein wenn man eigene Angebote auf den Markt bringt.

Das Organisieren von Bauvorhaben für Privatleute; das ist eine echte Marktlücke da draussen. Ich kenne einige Eigentümer die anders saniert hätten wenn sie jemanden an der Seite gehabt hätten der ihnen zeigt was geht und die richtigen Handwerker zusammenbringt.

Wir haben nach langem hin und her jemanden gefunden der für uns die Grundlagen für den für uns größten Einzelschritt visualisiert und vorbereitet. Das ist der Resultat auf dessen Basis wir die Umsetzung angehen werden:

Fassade
Gesimse, Fenster-, und Türstöcke : Keim Edition historisch Nr. 50020


Putzflächen : Keim Edition historisch Nr. 50018


Sockel :  Keim Edition historisch Nr. 50017

Fenster

2-flügelig
– profilierte Schlagleiste
– Seitenfelder mit zwei Teilungen
– ohne Oberlicht
– Farbton: RAL 1020, Olivgelb

Haustür (Bestand)
– Farbton: RAL 6013, Schilfgrün

 

Der direkte Vergleich:

Es wird Zeit dieses Langzeit-Projekt zum Ende zu führen. Der letzte Schritt werden Fassade und Fenster sein. Eine Bestandsaufnahme:

Back to the roots. Etwa 1910:

 

 

 

© SLUB / Deutsche Fotothek / Starke, Werner 1991 – Strassenansicht mit Vorgarten

Heute mal ein Bild aus der Deutschen Fotothek. Das Bild ist datiert mit 1991 und wurde von Werner Starke fotografiert von dem man noch viele andere Bilder in der Fotothek findet. Auch aus der direkten Umgebung um dieses Haus herum gibt es reichlich Bilder.

Ich mag ja die Bezeichnung “privater Profanbau” sehr.

 

… übernahmen wir Haus und Hof von des Gärtners Mutter und konnten eigentlich erst dieses Jahr mit dem Einbau der Haustüre einen Schlussstrich unter die Sanierung ziehen. Natürlich gab es zwischendurch Hänger, wer schon mal ein altes Haus auf Vordermann gebracht hat weiss wovon ich rede. Das im Verlauf  den 15 Jahren bereits die dritte Heizung installiert wurde, das gehört zu den unschöneren Erinnerungen über die sich aber dann langsam der Schleier des Vergessens neigt.

Spätestens dieses Jahr zeigt dann deutlich wie gut die Entscheidung für das Haus dann im Endeffekt war: Platz und Auslauf machen dann doch viele Einschränkungen erträglicher. Aber ich hätte mir sehr gewünscht das des Gärtners Großmutter noch viel länger gelebt hätte, sie hätte sich sehr über den Garten gefreut.

Unabhängig von Aufwand, Kosten und Dauer der Sanierung des Hauses: es ist schon gut wenn man zu Beginn nicht alles im Detail kennt – ich für meinen Teil hätte mich nie mit vollem Bewusstsein auf diesen Marathon eingelassen. Aber so ist es ok, ich bin bereit für neue Schandtaten – der Gärtner natürlich nicht. Alles andere wäre ja auch langweilig 😉

Wenn es interessiert kann sich hier durch die Vergangenheit klicken.

Beim stöbern in alten Unterlagen vom Haus habe ich das obige Schreiben an die Großmutter des Gärtners gefunden. Ich finde sowas immer interessant bis spannend – sowas gab es in meiner westdeutsch geprägten Sozialisierung einfach nicht.

Das Haus war vor unserer Übernahme in vier Wohnungen aufgeteilt. Zu DDR-Zeiten wurden diese Wohnungen von der Kommune belegt, der Eigentümer hatte wenig bis gar keine Möglichkeiten darauf Einfluß zu nehmen wen er da ins Haus bekommt. Das führte zu der kuriosen Sitauation das zwar die Eigentümer eine Wohnung im Haus hatten, deren Kinder oder Enkel hatten da aber keine Chance oder gar das Recht eine Wohnung im Haus zu bekommen.

Die Wohnungsmieten waren billig (ich muss noch herausfinden wie billig), der Vermieter zahlte den Wasserverbrauch aller alleine und trug fast alle anderen Kosten. Wasseruhren z.B. kamen erst nach der Wende ins Spiel, der Wasserverbrauch sank danach drastisch.

Es gab durchaus private Handwerker in der DDR, diese mussten aber ihre Leistung zuerst der Stadt anbieten. Diese vergab dann kommunale Aufträge und wenn dann ggf. noch etwas Luft war kamen die privaten Eigentümer dran. Was aber zugleich nicht bedeutete das dann auch das benötigte Bau-Material vorhanden war. Unter diesem Gesichtspunkt sieht manche Materialentscheidung oder auch Ausführungsweise nachträglich doch ganz anders aus…