Am 26.3. war ich zu einer Vorstandssitzung des hiesigen Schwulenvereins geladen. Ich war gerade aus den Bergen zurück in die große Stadt gezogen und kannte ausser einer Handvoll Leute aus dem Studium niemanden mehr. Student war ich nicht mehr und kam mir in den Clubs fehl am Platze vor, Gayromeo kam erst 3 Jahre später und von einer Szene wie in Köln war (und ist) Dresden  meilenweit entfernt. Also der Schwulenverein, Home of all These clichés.
Es war eine interessante Mischung die sich Abends in den Räumen des Vereins versammelte. Lederkerle, Daddys mit ihren Schoßbübchen, ungepflegte Männer neben durchgepflegten Abziehbildern. Dazwischen ein paar – zumindest optisch – Normalos. Die Sitzung verlief wie eben solche Sitzungen verliefen – sehr chaotisch, es waren ja alles keine Profis.
D. saß mir schräg gegenüber neben einem nicht minder schrägen Jungmann, der ihn sehr augenscheinlich anbaggerte. Nunja. Mir egal, ich war abgelenkt. Der Typ neben mir müffelte schon sehr. Die Sitzung zog sich, war dann aber auch mal vorbei. Es war früher Abend und ich hatte Hunger. Ich fragte Umstehende ob jemand  mit Essen geht, ausser D. hatte niemand Interesse. Na gut, dann eben mit diesem unscheinbaren Bübchen.
Wir fanden ein französisches Restaurant und hatten einen unterhaltsamen Abend. D. war neu im “Geschäft”, das schreckte mich ab, machte es aber auch gleichzeitig interessant. Er brachte mich später nach Hause, störte sich nicht an meiner unfertigen Wohnung und blieb über Nacht.
Der nächste Tag war ein Samstag, D. war gegangen, ich dachte nicht weiter drüber nach. Mich ereilte dann im Laufe des Tages eine spontane tödliche Männergrippe, mehr als sehr tödlich! Als ich gerade den Deckel vom Sarg schließen wollte, simste mir D. irgendetwas von schön und so. Hallo? Ich starb da gerade – was ich vermutlich sehr wortreich an ihn schrieb. D. verwandelte sich in eine Lichtgestalt die zur nächsten Heilstätte galoppierte, mit zahlreichen Tinkturen zu mir kam und mich zurück ins Leben zog. Hosianna in der Höh.
Äh. Moment. Ja, so war es. Irgendwie ist D. dann nicht mehr so richtig gegangen. Ich hatte meine Bedenken mich auf ihn einzulassen, ich hatte deutlich mehr Erfahrung in allem was D. noch herauszufinden hätte, er ist schon noch jung, langfristiges entspricht nicht meinem Wesen, was hat er mir entgegen zu setzen – aber er war schon sehr lieb. 14 Tage später warf ich alle Bedenken über Bord und gab ihm einen Schlüssel zu meiner Wohnung, eine weitere Woche später zog er ein.
Das Kennenlernen ist heute 20 Jahre her. Dazwischen liegen also zwei Jahrzehnte gemeinsame Lebensgeschichte, mit Höhen und Tiefen, einem kommen und gehen von Menschen und Situationen, Leben eben. Zwischen allen Gegensätzlichkeiten hat sich starkes Gemeinsames entwickelt das uns zusammenhält.
Vielen Menschen ist der Hochzeitstag wichtig, mir ist dieser Tag hier wichtiger. Ich staune hin und wieder noch das da jemand in meinem Leben trat der geblieben ist. Das fühlt sich gut an.