Hm, will der Mann mich unter der Erde sehen? Plant er was?
Seit geraumer Zeit bittet mich D. (m)ein digitales Testament zu machen. Ich habe das Thema eine Weile zur Seite geschoben – aber der vorzeitig beendete Urlaub verschafft freie Zeit. Da kann ich ja mal machen was der Mann will…

Passwortlisten hat ja wohl jeder? Ach? Kennt ihr die Passwörter von eurem Partner? Alle? Was ist mit kostenpflichtigen Diensten die Geld kosten, Spotify, Microsoft? Was wird mit Facebook? Twitter? Amazon? Paypal? GR? Was wird mit den Bildern auf Instagram? Bleiben die? Was wird mit der Website? Löschen?
Da der Mann ja mein Mann ist, hat sich durch das Verpartnerungsgedöns der Weg der Erbfolge für die greifbaren, weltlichen Dinge geregelt. Ein „richtiges“ Testament mussten wir machen als wir das Haus übernommen haben. Vor 10 Jahren habe zumindest ich keinerlei Gedanken an irgendwelche Online-Aktivitäten verschwendet – zumindest nicht aus dem Blickwinkel „Vermächtnis“.

Tausende gekaufte Filme, Apps und Musik-Files sind durchaus auch ein Vermächtnis.
Ich nutze derzeit einen Passwort-Manager der auf all meinen Endgeräten verfügbar ist. Es wäre leicht jetzt das Master-Passwort zu hinterlegen und gut ist es. Nur – wo hinterlege ich das Passwort? Hin und wieder ändere ich das Passwort – denke ich dann auch daran das hinterlegte Passwort zu ändern? Und bevor der Mann an den Passwort-Manager kommt müsste er ja erst einmal die Pins vom iPhone oder das Passwort vom Rechner kennen. Na, die steht doch im Passwort-Man… Oh.

Ich habe mich entschieden meine Passwörter in einer Tabelle zu erfassen und ausgedruckt an einer noch zu definierenden Stelle im Haus aufzubewahren. Andere Unterlagen liegen in einem Schließfach in der Bank, für sich durchaus ändernde Passwörter ist mir das zu umständlich. Mal sehen. Mir schwebt da etwas vor.
Beim Erstellen der Liste wird mir klar, die Liste alleine reicht nicht. Der Mann ist technisch nicht so der Interessierteste, er nutzt das vorhandene Zeugs halt mit. Passwörter nutzen ihm beim Router, NAS, Apple-IDs usw. wenig – er hat schlicht keine Ahnung was er dann damit anfangen soll. Es nützt ja nichts, wenn er meinetwegen zuerst die Domain kündigt und dann im Anschluss Schwierigkeiten bekommt, weil die an der Domain hängende Email-Adresse eben für irgendwelche Accounts benötigt wird.
Es ist komplizierter als gedacht. Ich habe erstmal alle Dienste zusammengestellt die mit Kosten verbunden sind, ich schreibe dann noch dazu wo sie zu kündigen sind. Es erschließt sich ja nicht auf Anhieb das z.B. das Netflix-Abo bei iTunes beendet werden muss…

Als nächstes dann die „technischen“ Accounts wie z.B. das NAS. Ohne Hilfe wird der Mann da nicht weit kommen – aber das ist nicht unlösbar. Übrig bleiben Konten die dann schlicht und ergreifend vergessen und irgendwann vom Betreiber aussortiert werden – da muss sich niemand kümmern. Meine Passwortliste wird nicht nachträglich zu meiner Lebensbeichte werden. Hihi. 🙂

Ich werde mir noch Gedanken darüber machen was nun genau mit Social Media-Konten passieren soll. Was weiß ich denn was in der Zukunft noch existiert. Will ich wirklich das mein Gebrabbel auf Twitter mein Denkmal wird? Ich neige zum Rückzug –  andererseits: was bekomme ich überhaupt noch davon mit? Eben.
Irgendwie kratzt das Thema nur die Oberfläche an. Der Mann und ich haben keine Erben. Wer kümmert sich eigentlich, wenn wir Beide gleichzeitig den Löffel abgeben? Die Rückfahrt aus dem Urlaub hat ja durchaus gezeigt wie weit das im Rahmen der Möglichkeit liegt. Die „nahen“ Verwandten sind entweder alt oder eben nicht nah. Es gibt noch einiges zum Nachdenken. Vielleicht lege ich mir ja noch einen Erben zu…
Habt ihr irgendetwas in dieser Hinsicht schon geregelt? Wie? Ich würde es gerne wissen. Ich werde mich so nach und nach schlau machen ob und wie ich z.B. Daten die z.B. bei iTunes liegen vererben kann – ich werde berichten.

Es gibt durchaus brauchbare Vorlagen zu diesem Thema.
P.S. Denkt ruhig mal drüber nach ob ihr euer Zeug regelt, auch das Digitale. Nach diversen abgewickelten Todesfällen kann ich sagen das es den Hinterbliebenen hilft, wenn sie wissen was existiert und wie damit umgegangen wird. Nach mir die Sintflut ist mehr als unfair.